Nach einem halben Jahrhundert wieder im Tanzkurs

Jörg Philipp macht beim Turnverein eingerostete Paare fit fürs Parkett – und das mit viel Spaß

Woche für Woche kommen in der Sporthalle des Turnvereins 1875 Sindlingen (TVS) ganz verschiedene Paare zusammen. Eins haben sie jedoch gemeinsam: Sie wollen tanzen. Nach einer kurzen Begrüßung legt Tanzlehrer Jörg Philipp einen Blues auf, dann geht es auch gleich los. „Wir machen das jetzt so: Wer was kann, tanzt, und wer nichts kann, tanzt auch“, sagt Philipp. Alle Paare beginnen, und schnell stellt Philipp begeistert fest: „Ihr seid ja alle Profis!“

Zwar ist diese neue Tanzsporteinheit für Anfänger und Wiedereinsteiger gedacht. In dieser Gruppe hat jedoch jedes Paar bereits Tanzen gelernt. Das ist bei den meisten aber schon mehrere Jahrzehnte her. „Vor 50 Jahren war ich das letzte Mal bei einem Tanzkurs„, sagt ein Mann etwas nervös. Die Freude am Tanzen brachte aber alle dazu, nun wieder anzufangen.

„Wir wollten als Partner etwas zusammen machen“, erklärt ein Ehepaar aus Zeilsheim. Außerdem habe man im Alltag kaum noch die Möglichkeit, tanzen zu gehen. Das ändert sich von nun an mit dem Tanzangebot des TV Sindlingen: Jeden Freitag können die Paare von 18.30 bis 20 Uhr ihre eingeschlafenen Tanztalente wieder wecken. Die Profis trainieren im Anschluss ab 20 Uhr. Mittwochs werden zwei weitere Gruppen angeboten. Wiedereinsteiger können zwei bis drei Probestunden lang mitmachen.

Tango, Samba, Jive   und natürlich Walzer

Bereits mit 14 Jahren entdeckte Jörg Philipp seine Liebe zum Tanzen; einige Jahre später machte er sein Hobby zum Beruf: Seit 1997 ist er ausgebildeter ADTV-Tanzlehrer. Seit mittlerweile 18 Jahren leitet er Tanzkreise im TVS. Hauptberuflich unterrichtet er zwar auch, jedoch ohne Tanzschuhe: Philipp arbeitet als Lehrer an einer Schule.

In seiner Tanzsportgruppe werden die sogenannten zehn Tänze gelernt. Dazu gehören fünf Standardtänze wie Tango und Quickstepp, aber auch Samba und Jive. Nach einigen Lockerungsübungen geht’s erst einmal mit einem Klassiker im Dreivierteltakt los: Walzer!

Den „Trockenübungen“ ohne Partner folgt das Tanzen als Paar. „Zuerst aber bitte mit etwas Sicherheitsabstand“, empfiehlt Philipp. Als die Schritte sitzen, drehen sich die Paare gemeinsam gegen den Uhrzeigersinn durch den Raum. „Das gehört zu den Verkehrsregeln auf der Tanzfläche“, erklärt der Tanzlehrer. Die gelten indes nicht für ihn: Kreuz und quer läuft er während der Stunde zwischen den Paaren über die Tanzfläche, verteilt hier ein Lob und gibt dort Tipps.

Seine wichtigste und ganz ernst gemeinte Tanz-Empfehlung: „Fröhlich gucken, damit die Leute denken, man habe Spaß.“ Den gibt es an diesem Abend wahrlich genug. In der Pause wird mit Sekt angestoßen. Die Gruppe tauscht sich über bisher besuchte Tanzkurse aus. Ein Ehepaar ist bereits nach der ersten Probestunde ganz überzeugt: „Wir melden uns sofort an.“ Auf die Beschwerde eines Kursteilnehmers hin, seine Frau übernehme immer die Führung, grinst Philipp: „Die Selbsthilfegruppe für Männer trifft sich im Anschluss an die Stunde.“ Katharina Kohler

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