Diesen Sonntag Vormittag wird Fährmann Günter Vowinkel so schnell nicht vergessen. Auf der Okrifteler Mainseite standen die Radfahrer Schlange, um sich von ihm übersetzen zu lassen. Mit zehn, zwölf Rädern je Fahrt brachte er die Gäste ans andere Ufer, fuhr leer zurück und nahm die nächsten an Bord.
Schuld an dem Andrang waren der Turnverein, der Gesangverein Germania und der Radfahrerverein Germania Sindlingen. Die drei Vereine haben Mitte August das Volksradfahren wiederbelebt. Wie berichtet hat der Radfahrerverein Germania die Traditionsveranstaltung vor einigen Jahren aufgegeben. Diese Lücke im Veranstaltungskalender füllten nun die Turner und Sänger auf, die wenigen noch aktiven Radfahrer berieten sie dabei.
Vom Startplatz Turnerheim aus radelten Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren allein, zu zweit, familien- oder gruppenweise durch die Wingerte an den Main und immer flussabwärts bis zur Fähre. Der Stempel, den Fährmann Vowinkel auf die Teilnehmerkärtchen setzte, diente als Beweis dafür, dass die Radler auch wirklich die fünf Kilometer hin absolviert hatten. Auf der Kelsterbacher Seite ging es wieder retour und über die Brücke der B 40a zurück. Die Strecke war eben und so gut wie autofrei, nur beim Überqueren der Okrifteler Straße war Vorsicht angesagt – und da standen Helfer vom Turnerheim. Wer wollte, radelte die Runde zweimal und holte sich so, bei schwülem, vormittags aber durchweg trockenem Wetter den Appetit für die Schlussrast am Turnerheim.
Dort wechselten sich Mitglieder des Turnvereins am Grill ab. Der Männerchor des Gesangvereins hatte seinen Getränkewagen aufgestellt und schenkte fleißig aus. Der Frauenchor der Germania bestückte die Kuchentheke und kochte Kaffee dazu. Radler brauchen Vitamine, könnte sich Markus Werner vom gleichnamigen Obsthof gedacht haben und bot an einem Stand Äpfel und Zwetschgen in natura sowie in flüssig veredelter Form an. Sogar frisch gepresster Süßer war zu haben. Wie früher beim Radfahrerverein waren zwei Mitarbeiter des Radsporthauses Kriegelstein vor Ort, um im Fall kleiner Pannen zu helfen. Die Radfahrer brauchten nur fürs Material zu zahlen, Service, Montage und Einstellungen gab’s gratis. „Hauptsächlich Luft“ wurde gebraucht, sagten die Zweiradmechaniker Robert Leistikow und Harry Hopp. Dazu spielte Radio Riederwald Musik. Die Betreiber des Internet-Radios, das seit Dezember in Sindlingen ansässig ist, erklärten in ihrem Übertragungswagen jedem, der sich dafür interessierte, die Technik und begleiteten das Fest auch medial. Die Siegerehrung des Volksradfahrens übertrugen Harald Meininger und seine Discjockeys Jürgen, Axel und Sven live.
Hans Brunnhöfer und Michael Sittig vom Turnerheim sowie Jochen Dollase und Markus Krämer vom Gesangverein Germania überreichten Bembel mit dem neuen Emblem des Volksradfahrens an Harry Ehrhardt (Jahrgang 1928) und Marga Adler (Jahrgang 1933) als älteste Teilnehmer. Jüngste Mitradler waren Laura Henkelmann (geboren im Juli 2007) und Timo Riegelbeck (geboren im November 2006). Die größte Zahl an Radfahrern stellte der Turnverein mit 34, gefolgt vom Männerchor der Germania (24) und dem Familienkreis der katholischen Gemeinde (22). Auch jeder andere Radler erhielt eine Erinnerung an den schönen Tag, nämlich ein Apfelweinglas, ebenfalls mit dem neuen Logo verziert. Dank sagten die Veranstalter darüber hinaus dem Rotkreuz-Ortsverband Zeilsheim, dessen ehrenamtliche Sanitäter sich für den Fall des Falles bereithielten. Glücklicherweise wurden ihre Dienste nicht benötigt.
„Wir sind zufrieden“, sagte Jochen Dollase, Vorsitzender des Gesangvereins Germania, in einem ersten Resümee. Alles verlief gut, kleinere Schwächen sollen beim nächsten Mal verbessert werden. Ein nächstes Mal soll es in jedem Fall geben.
Das dürfte auch die Stadt Hattersheim und das Kieswerk Schindling freuen. Sie betreiben und finanzieren die Fähre, die zwischen Ostern und Ende September an jedem Wochenende und Feiertagen von 10 bis 20 Uhr fährt. Am Samstag vor dem Volksradfahren setzten im Lauf der zehn Stunden 50 Leute über. Allein am Sonntag Vormittag waren es mindestens 175 – plus diejenigen, die die Runde zweimal fuhren. hn